Häni, der Impulsgeber

Bedingungsloses Grundeinkommen – schon die Auseinandersetzung bewirkt Veränderung

Am Freitag, nach der Auftaktveranstaltung der “Gespräche über Morgen“, ging ich zum gemeinsamen Frühstück mit Daniel Häni bei “Signs und Pictures“. Häni, Schweizer Unternehmer und Produzent des Films “Grundeinkommen – ein Kulurimpuls” war am 23. September 2010 Gast auf dem Podium auf Kamnagel. Und wollte noch mehr: sich ganz privat mit den Leuten aus Hamburg übers Grundeinkommen unterhalten. Geschichten aus dem Leben hören. Fragen stellen. Er ist ein Sammler. Er sammelt Schicksale. Nicht, um über sie zu richten, sondern um weiterhin für die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens zu werben. Denn die Theorie darüber, was alles in der Zukunft werden könnte, hätten wir nur schon ein BGE, hat sich längst praktisch in der Gegenwart breit gemacht.

Ihm scheint es so zu gehen, wie vielen von uns, die für ein BGE sind. Unterwegs passiert bereits etwas. Ohne, dass es einem sofort bewusst wird, ändert sich nach und nach die eigene Haltung. Es ändert sich das Denken. Irgendwann schaut man auf sich und stellt fest: Ich habe mich bereits von einigem unnötigen Ballast befreit. Ich tu mal so, als gäbe es schon das BGE. Wie das? Schon jetzt, ohne, dass ein BGE auch nur in greifbare Nähe gerückt ist, geht Veränderung vor. So Infizierte betrachten ihre Arbeit als etwas, das sie selbst in der Hand haben. Finanzielle Unabhängigkeit ist dann keine Möhre mehr, nach der man noch die letzten fünfzehn Jahre dressurartig schnappen wollte. Aussteigen scheint tatsächlich eine Option zu werden. Gibt es noch eine andere Form von Unabhängigkeit als die monetäre? Klar gibt es die. Indem ich nur so viel zum Leben verbrauche, wie ich wirklich benötige.

Indem ich dem Geld weniger Bedeutung zuschreibe, als es in Wahrheit hat. Warum sonst singen, schreiben und malen so viele Künstler ein und das selbe Thema: Den Menschen? Bin ich einmal alt, kommt es drauf an, wer dann (noch) bei mir ist. Geld verführt nämlich zur Arroganz. Wer finanziell ausgesorgt hat, denkt, er braucht zwischenmenschlich nichts mehr zu “leisten”. Der beruhigt sich damit, dass er die spätere Altersresidenz bezahlen können wird. Und wo treten die Familie, Kinder, Freunde, wo der Partner in Erscheinung?

Wie heißt es doch so schön banal, darum aber nicht weniger wahr: “Mit Geld kannst du keine Liebe kaufen?” Wem das zu platt ist, dem sei gesagt: Noch platter ist es, sich auf die Moneten zu verlassen. Ist es nicht so, dass Krankheit einen erkennen lässt, wer die wahren Freunde sind? Nämlich solche, die sich nicht als empathische Versager und Verdränger auszeichnen, sondern die, die den Schmerz, den Kummer und die Unsicherheit ihn Nahestehender aushalten können. Die dich jeden Tag im Krankenhaus besuchen und sich nicht damit rausreden, sie würden die Krankenhausatmosphäre nicht ertragen. Die dich in einer schwierigen Phase begleiten. Dir als alten Menschen Wohnen unter einem Dach anbieten. Ohne dir die ollen Verfehlungen aus der Vergangenheit noch mit Vierzig unter die Nase zu reiben. Das lernt man in der Lebensschule. Immer dann, wenn man bereit ist, sich selbst in der gleichen Situation vorstellen zu können. Immer dann, wenn man selbst kein Kind mehr und Willens ist, Verantwortung zu tragen.

Denn eines ist sicher: Jeder von uns wird einmal alt. Und jeder von uns kann damit rechnen, nicht ewig gesund zu bleiben. Da muss man doch vorsorgen! Aber nicht mit Geld. Sondern mit Freundschaft und Liebe. Ja, Liebe. Manche hören solche Worte nicht so gern. Komisch, eigentlich. Romantisch verklärter Unsinn? Ach ja?

Zur Liebe sei noch etwas gesagt: Auch die muss man sich leisten können. Genau wie Zusammenhalt und Kameraderie. Wer die “Netzwerkpflege” noch im realen Raum und nicht bei Xing & Co allein betreibt, dem wird auffallen, dass Beziehungspflege Zeit und Engagement beansprucht. Menschen, die jeden Tag acht oder mehr Stunden ausschließlich mit ihrem- womöglich ungeliebten – Job verheiratet sind und nichts, aber auch gar nichts an die persönliche Gemeinschaft zurückgeben, werden es auch nicht schaffen, mit “180 Freunden” bei facebook zu punkten. Die sitzen dann mit siebzig oder achtzig in ihrem Highclass-Pflegeheim und heulen sich die Seele aus dem Leib, weil kein Schwein, kein bekanntes Gesicht, nicht mal die gut geratenen Enkel sie besuchen kommen. Wem das egal ist: Viel Spaß.

Eine Antwort auf diesen Artikel.

  1. Veröffentlicht von Dana am September 28, 2010 um 2:14 pm

    Als ich selbst schwer krank war und bereits alle Hoffnung aufgegeben hatte, wieder gesund zu werden habe ich ganz viel Liebe und Freundschaft von anderen Menschen erfahren.
    Das hat mich positiv überrascht und mir viel Kraft und Mut gegeben, mich dem Leben wieder zuzuwenden, gesünder zu werden, an mir selbst zu arbeiten und zu versuchen, mich zu bessern…

    Viele Grüsse
    Dana

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