Die Ehe für alle

LuguLake
Lugu Lake - Yunnan, China /From Wikimedia Commons, 
the free media repository / Copyright:עברית: אגם לוגו, יונאן, סין.

 

Oder doch lieber Ehe für keinen?

Ich bin für eine andere Art des Zusammenseins von Mann und Frau. Für eine, die freier, weniger konfliktbehaftet und nicht „romantisch“ überfrachtet ist. Vor allem für eine Form von Beziehung, die nicht als eine wirtschaftlich funktionieren müssende Keimzelle angesehen wird und dadurch emotional wie ökonomisch überfordert ist. …

 

Auf einem Blog las ich eine Kritik zu diesem  Thema – die findet ihr hier. Mein Kommentar dazu war:

„Ein vermutlich aussterbendes Konzept menschlichen Zusammenlebens ist das der „Mosou“ in Asien (China), wo die familiären Bündnisse matrilinear gestaltet waren und noch sind, soweit vorhanden.

Die Basis dieses Lebenskonzeptes ist das Mutterhaus.

Dort werden die Kinder groß und wenn sie ins Alter kommen, wo sie sich mit jemandem einlassen oder eine Liebschaft wollen, machen sie das. Es gibt keine Verpflichtung zur Ehe.

Viel interessanter aber ist: Es gibt kein Motiv für eine Ehe. Weder emotionaler und ganz besonders nicht wirtschaftlicher Natur.

Wenn aus dem Paar Eltern werden, so bleiben die daraus geborenen Kinder wiederum im Mutterhaus. Trennen sich die leiblichen Eltern, verändert sich für die Kinder das Folgende: NICHTS. Die Kinder bleiben in den Familien und werden weiterhin wie gehabt vom Rest der Sippe betreut. Der Bruder der Mutter, die die Kinder geboren hat, erfüllt die Vaterrolle, wenn man so will.

Der große Vorteil an diesem Konzept: Es gibt keine Scheidungskämpfe oder etwa Trennungskonflikte der Eltern untereinander und auch kein Hineinziehen der Trennungsfolgen anderer Erwachsener (die eher unbedeutend sind außer für die Beteiligten selbst) oder traumatisierte Kinder, die durch die Trennung der Eltern leiden. Die Kinder haben es gar nicht anders kennen gelernt, da die Linie der Mütter diejenige ist, in der Verbünde entstehen. Andersherum würde es schlecht gehen, nicht?

Ich finde ein solches Konzept um einiges intelligenter als das unsrige. Aber natürlich hängt dies auch mit unserer Form von Fremdversorgung und etablierten Gesinnung zusammen. Man kann sich das kaum vorstellen in unserer „Zivilisation“.“

…………..

Das Vaterhaus – seit Jahrhunderten das hier gängige Modell

Würde man sich umgekehrt vorstellen, dass es sich um Vaterhäuser handelt, so müsste die Frau, die ein Kind bekommt, bei ihrem Mann bleiben, der ja darauf angewiesen ist, dass (s)eine Frau Kinder gebiert. Damit wären wir also bei der Ehe, die bis heute eine – wie mir scheint – recht unlogische und vor allem für Frauen und Kinder sehr nachteilige Form des Zusammenlebens ist.

Die Folgen von Trennungen der leiblichen Eltern – die in Häufigkeit zugenommen haben und für Frauen kein Stigma mehr sind wie noch vor wenigen Jahrzehnten – bleiben aber leider für die Kinder weiterhin problematisch.

Nicht nur die Kinder würden – über eine Mutterlinie mit ihrem „Clan“ verbunden -Trennungen nicht wirklich beeindrucken, auch Männer wie Frauen wären nicht länger an das Ehe-Konstrukt gebunden und könnten sich davon befreien, Schuldgefühle ein Leben lang mit sich zu schleppen oder Kinder aufgrund des Trennungsschmerzes traumatisiert beziehungsweise diese in den elterlichen Konflikt hineingezogen zu haben.

So viele Vorteile und doch bin ich bisher noch nie auf die Idee gekommen, dass wir überlegen könnten, ein solches Konzept auch bei uns aufleben zu lassen.

Aber natürlich: Es wäre eine sehr einschneidende und kaum denkbare Veränderung, nicht? Es hieße, die eigene Ursprungsfamilie wieder mehr in den Blick zu nehmen und es würde bedeuten, dass Frauen und Männer nicht mehr unbedingt darauf aus wären, Lebensgemeinschaften zu bilden, wie wir sie kennen.

Ist dies nicht ein überaus interessanter Gedanke? Mit den Brüdern oder Schwestern eine Lebensgemeinschaft zu bilden und die jeweiligen Männer oder Frauen (beziehungsweise Eltern, soweit Kinder gezeugt werden) einen wirtschaftlich unabhängigen Kontakt oder – etwas zugeneigter – eine Liebschaft zu pflegen.

Faszinierend …

Hinterlasse einen Kommentar